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Statement zum Thema Dekolonialisierung in Hannover, Anhörung der LHH, 16.09.2022

Schön guten Tag und vielen Dank für die Einladung,

wir stehen ziemlich am Anfang eines langen Prozesses. Bis zur Dekolonialisierung unserer Stadt haben wir – trotz bisheriger positiver Entwicklungen – einen sehr langen Weg vor uns.

Die Geschichte des Carl Peters Denkmals ist ziemlich symptomatisch für die Art und Weise wie wir bisher das Thema Kolonialismus und dessen Auswirkungen behandelt haben.

1935 wurde das Carl Peters Denkmal durch Nationalsozialisten in Südstadt aufgestellt, mit der Inschrift: „Dem großen Niedersachsen Carl Peters, der Deutsch-Ostafrika für uns erwarb“. Über 50 Jahre bleib das Carl Peters Denkmal auf dem gleichnamigen Platz unberührt. Erst 1988 wurde am unteren Ende des Denkmals eine Tafel gehängt und der Platz wurde 1994 in Bertha-von-Suttner-Platz umbenannt.

Abgesehen davon, dass die Tafel sehr schwer zu lesen ist und auf der der problematische Begriff „Rasse“ vorkommt, kreist der überdimensionale deutsche Adler wie ein Raubvogel über Afrika. Die graue Farbe, die rechteckige Form des Denkmals und dessen Größe erinnern ebenfalls an nationalsozialistische Architektur.

Der Bezirksrat Südstadt bewertet in seinem Statement vom 04. Juli 2021 das Denkmal so:

„Durch seine Größe und die Abbildungen von Adler, Schriftzug Carl Peters und die Afrika-Abbildung als Kontinent erhält es eine Wucht mit auf den ersten Blick falschem Eindruck der Verherrlichung von Kolonialismus. Die ergänzende und korrigierende Erläuterungstafel kontrastiert nicht genügend das Denkmal. Diese Platte passt sich eher harmonisch in den Gesamteindruck ein, setzt auch kein klares optisches Gegenbekenntnis.“

Also wie wir bisher mit Carl Peters Denkmal umgegangen sind, verdeutlicht die ganze Problematik, wie wir die Geschichte des Kolonialismus und dessen Folgen bis zur Gegenwart behandeln: halbherzig, inkonsequent und sogar missverständlich.

Genau das war der Anlass der Kampagne gegen Carl Peters Denkmal, die kargah e.V. im Juli letzten Jahres startete. Wir wollten durch eine Reihe von Aktionen von Unterschriftensammlung und Dialog mit Einwohner*innen über Workshops und Veranstaltungen bis hin zu Kontakten mit diversen Initiativen und Gesprächen mit demokratischen Parteien darauf aufmerksam machen, dass die Aufarbeitung der Geschichte des deutschen Kolonialismus und deren Auswirkungen noch in der Anfangsphase ist. Da drin kann und muss die LHH als eine weltoffene und internationale Stadt bundesweit eine Vorreiterrolle spielen.

Dabei ist die entscheidende Frage, inwieweit können wir dieses Thema über eine längere Zeit systematisch behandeln und wieweit wird das ein stadtgesellschaftliches Projekt, an dem möglichst viele Einwohner*innen Hannovers in verschiedenen Formen beteiligen? Um dies zu erreichen, benötigen wir eine Palette von Maßnahmen. Ich nenne nur ein paar Beispiele:

  • Erinnerungskultur hat zu Recht in Kulturentwicklungsplan Hannover eine prominente Stelle. Fast alle Maßnahmen und Projekte, die im Kulturentwicklungsplan zum Thema Nationalsozialismus beschrieben werden, sind auch für das Thema deutscher Kolonialismus und dessen Folgen denkbar.

 

  • Zusammenarbeit mit Museen und Orte der Erinnerungskultur, Communities. Die Ausstellung im Historischen Museum mit der Überschrift: „Von goldenen Kutschen und kolonialer Vergangenheit: Hannover, England und die Sklaverei“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie das Thema interessant und mit interaktiven Elementen behandelt werden kann. Übrigens die Ausstellung dauert noch bis zum 13. November. Solche Ausstellung sollten eher die Regel werden und keine Ausnahme. Noch besser wäre es, wenn sie ein integraler Bestandteil von Musen werden.

                                   

  • Auseinandersetzung mit den Folgen des Kolonialismus auf die heutige Gesellschaft, Stichworte: Wirtschaftsordnung, Rassismus und soziale Ungleichheiten. Diesbezüglich sind wiederum viele Maßnahmen sinnvoll. Dazu gehören: Antirassismus-Workshops, Zusammenarbeit mit Schulen, postkoloniale Spaziergänge durch Hannover, Podien, die den aktuellen Rassismus zum Thema haben und über
    Möglichkeiten des friedlichen Zusammenlebens in modernen diversen Gesellschaften

 

  • Eine differenzierte Auseinandersetzung über Kolonialismus und seine Folgen insbesondere in Bildungseinrichtungen. Im Konzept WIR 2.0 Migration und Teilhabe sind u.a. folgende Themen im Bildungsbereich genannt:

Übergreifende Bildungsangebote

Informelle Bildung

Mehrsprachigkeit

Übergänge im Bildungssystem und aus dem Bildungssystem heraus,

Antidiskriminierungsarbeit im Bildungskontext

Kritische Medienkompetenz

In allen diesen Themen sind konkrete Initiativen, Maßnahmen und Projekte für die Dekolonialisierung Hannovers denkbar und sinnvoll.

  • Ein weiterer Punkt: Diversität der Stadtgesellschaft und Aktivist*innen gegen Kolonialismus sichtbar machen. Hierfür sind nicht nur Infoveranstaltungen und Foren nötig, sondern konkrete finanzielle Förderung solcher Initiativen.

Es fehlt also nicht an Ideen, wie wir die Dekolonialisierung in Hannover vorantreiben können. Die Frage ist viel mehr ob wir die Rahmenbedingungen und Strukturen für die Verwirklichung solcher Ideen schaffen können. Dafür brauchen wir v.a. geeignete institutionelle Rahmenbedingungen.  

Damit der Prozess der Dekolonialisierung in Hannover kontinuierlich vorangetrieben wird, benötigen wir ein Gremium, das diesen Prozess plant und koordiniert. Dieses Gremium sollte von Stadtverwaltung und zivilgesellschaftlichen Organisationen und Institutionen paritätisch besetzt sein, finanziell gut ausgestattet sein und eine bezahlte Koordinierungsstelle haben.

Meine Sorge ist, dass es bei der Behandlung des Themas Dekolonialisierung in Hannover bei dieser Anhörung bleibt. Dann kommen wir vielleicht in ein paar Jahren wieder zusammen, blicken zurück und stellen fest, dass diesbezüglich nicht viel passiert ist!

Damit dies nicht passiert, muss so schnell wie möglich ein paritätisch besetztes und finanziell gut ausgestattetes Gremium entstehen, das den ganzen Prozess der Dekolonialisierung in Hannover ganz konkret und praxisnah plant und koordiniert.

Statement von Peyman Javaher-Haghighi als Vertreter von kargah

Kontaktstudium: Pädagogische Kompetenz in der Migrationsgesellschaft

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